14. Mai 2009, 09:59 Uhr

Auf einem Weg zu einem Europa der Bürger: Europäische Dialoge

Ein Interview mit Christian Hänel, Stellvertretender Bereichsleiter Volkerverständigung Westeuropa, Amerika, Türkei, Japan, Indien; Robert Bosch Stiftung

Herr Hänel, die Robert Bosch Stiftung hat die Europäischen Bürgerkonferenzen 2009 gefördert. Warum ist die Unterstützung des Europäischen Dialogs für die Robert Bosch Stiftung von besonderer Bedeutung?

Wir setzen uns dafür ein, das Vertrauen der Bürger in die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union zu stärken. Wir wollen Begeisterung für die europäische Idee wecken. Dazu müssen wir Plattformen für Begegnung und Meinungsaustausch zwischen den Bürgern Europas schaffen und einen Dialog über Unterschiede und Gemeinsamkeiten anstoßen: Europa lebt von und durch die Menschen, die hier zu Hause sind und die Verantwortung für Europa übernehmen.

Welchen Beitrag kann der Dialog zwischen den Menschen in Europa leisten, um die europäische Idee voranzubringen?

Der Dialog zwischen den Menschen schafft ein starkes  Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Menschen stellen fest, dass sie im Alltag mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, egal in welchem EU-Land sie leben. Soziale Sicherheit, Bildungswesen, Klimaschutz, Gesundheit etc. – hier stehen alle Europäer vor ähnlichen Herausforderungen. Darüber hinaus gibt der Austausch den Bürgern – aber auch den Politikern – Impulse, um gemeinsam zu handeln. Nur so können wir in der Europäischen Union unsere Zukunftsaufgaben lösen und die Herausforderungen bewältigen, vor denen wir alle stehen.

Tschechiens Präsident Vaclav Klaus beispielsweise wettert derzeit gegen die EU. Sehen Sie die Verständigung, den Austausch der Menschen in Europa durch solche euroskeptischen Tendenzen in der Politik gefährdet?

Die Abstimmung im tschechischen Senat, der für den Vertrag von Lissabon gestimmt hat, zeigt, dass die Mehrheit in der tschechischen Politik ein gemeinsames Europa will. Viele junge Leute haben in Tschechien vor der Abstimmung mit Transparenten für die EU demonstriert. Dies ist für mich ein Signal, dass das Interesse der Menschen an Europa und an einem Austausch nicht gefährdet ist. Die Erfahrungen aus den Europäischen Bürgerkonferenzen bestätigen, dass die Bereitschaft der Bürger zu einem Dialog über Europa auch in euroskeptischen Ländern wie Irland oder Großbritannien groß ist. Unsere Arbeit hört nicht auf, wir werden uns auch weiterhin dafür engagieren, dass sich die Bürger in Europa austauschen, gemeinsam beraten und eine Stimme erhalten, wenn es um die Zukunft der EU geht.

Man hört oft das Schlagwort „Europamüdigkeit“ in Zusammenhang mit dem Verhältnis der Bürger zur EU. Gilt dies Ihrer Erfahrung nach auch für das Interesse der Menschen für andere Länder und Kulturen in der EU?

Bei den Europäischen Bürgerkonferenzen gab es keine Spur von Europamüdigkeit. Im Gegenteil: In ihrer Europäischen Bürgererklärung fordern die Teilnehmer ja sogar mehr Europa. Die Bürger fordern verstärkt europäische Antworten auf die dringenden Zukunftsfragen, und sie setzen sich mit ihren Empfehlungen an die EU für noch größere grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein.Europamüdigkeit hat keine Chance, wenn die Bürger das Gefühl haben, Europa mitgestalten zu können. Dazu möchte die Robert Bosch Stiftung mit der Förderung der Europäischen Bürgerkonferenzen und mit den weiteren Projekten unseres Förderschwerpunkts „Europa stärken“ einen Beitrag leisten. Wir wollen die Beteiligung der Bürger an und in Europa fördern.