14. März 2007

IFOK Forum: Verantwortung neu organisieren!

In Sextantengesprächen entwickelten die Teilnehmer die Lorscher Thesen.

Die 80 Teilnehmer des zweiten IFOK Forums „Verantwortung übernehmen“ haben sich mit konkreten Empfehlungen dafür ausgesprochen, Verantwortung in der Gesellschaft neu zu organisieren. Mit diesen Lorscher Thesen reagierten sie auf veraltete und zunehmend komplexe Strukturen in allen Bereichen der Gesellschaft, die es dem Einzelnen erschweren, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Michael Meister sprach sich dafür aus, hierzu einen gesellschaftlichen Lernprozess zu initiieren.

Wie kann ein Unternehmen, ein Verband oder eine Partei bei der täglichen Arbeit verantwortungsbewusst handeln? Antworten darauf geben die Lorscher Thesen, die beim diesjährigen IFOK Forum formuliert wurden. Referenten des Bundeskanzleramtes, des Bundesumweltministeriums, der Hertie School of Governance und anderer namhafter Einrichtungen diskutierten mit den Gästen darüber, wie jeder Einzelne Verantwortung im täglichen Leben übernehmen kann – und wie in der Gesellschaft die Übernahme und Wahrnehmung von Verantwortung besser organisiert werden sollte. In der historischen Atmosphäre des Klosters Lorsch erarbeiteten die Teilnehmer konkrete Handlungsempfehlungen und ermittelten dann per TED die sieben wichtigsten Thesen. Diese nahm der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und CDU-Kreistagsvorsitzende Dr. Michael Meister für die Gruppe der gesellschaftlichen Entscheider entgegen.

Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen zu stärken war dabei eine wichtige Botschaft, die die Teilnehmer Dr. Meister mit auf den Weg gaben. Der Staat dürfe nicht alle Verantwortung durch immer neue Regeln alleine an sich ziehen. Statt dessen sollten neue Strukturen ermöglichen, dass Bürger, Unternehmen, Politik und Verwaltung ihre Verantwortung gemeinsam wahrnehmen. Eine weitere Forderung war, Führungskräfte nicht allein nach dem wirtschaftlich messbaren Erfolg ihrer Arbeit zu bewerten, sondern ebenso nach ihrem Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung.

Dr. Michael Meister begrüßte die Empfehlungen: „Sie fordern, in der Gesellschaft einen Lernprozess einzuleiten, wie die gesellschaftlichen Institutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen können“, sagte er. „Dies ist der richtige Weg. Die Politik kann vernünftige Rahmenbedingungen setzen, aber die Umsetzung liegt bei jedem Einzelnen.“

„Unsere Gesellschaft lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, das heißt die bereit sind, für die Folgen ihres Handelns einzustehen", sagte Dr. Hans-Peter Meister, Sprecher der Geschäftsführung der IFOK GmbH, zur Eröffnung des Forums und setzte den Begriff Verantwortung in Bezug zu der persönlichen Freiheit jedes Menschen: „Staat und Unternehmen müssen sich so organisieren,  dass der Einzelne dann auch Verantwortung übernehmen kann und nicht von Bürokratien oder unnötigen Regeln und Gesetzen daran gehindert wird.“

 

Die Ergebnisse des IFOK Forums erscheinen Ende des Jahres in einer eigenen Publikation.

Das diesjährige IFOK Forum war das zweite in einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen Impulse und Antworten auf gesellschaftliche Fragen gegeben werden. Im Oktober 2005 startete das IFOK Forum anlässlich des zehnjährigen Bestehens der IFOK GmbH.


Die sechs Referenten und ihre Themen:

  • Dr. Fritz Holzwarth, Ministerialdirigent im Bundesumweltministerium: Eigenverantwortung als Beamtenpflicht
  • Prof. Dr. Sonja Wälti, Professorin für Politikanalyse und Verwaltungswissenschaften an der Hertie School of Governance: Verantwortung und gesellschaftliche Führung
  • Wolf-Rainer Lowack, Geschäftsführer der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH: Politik und Wirtschaft: gemeinsam für die Regionalentwicklung?
  • Prof. Dr. Ingo Pies, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Ordnungsverantwortung: ein strategisches Konzept für Corporate Citizenship
  • Prof. Dr.-Ing. Sylvia Rohr, Vorstandsvorsitzende der TU-Dresden AG: Verantwortung für Innovation
  • Dr. Michael Wettengel, Leiter der Abteilung Zentrale Dienste, Innen und Recht im Bundeskanzleramt: Verantwortung des Staates – Anspruch und Grenzen

 

Die Ergebnisse des 2. IFOK Forums: Verantwortung übernehmen!

Die Teilnehmer des 2. IFOK Forums waren sich einig, dass die Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft neu organisiert werden muss. Bei einer Abstimmung per TED stimmten 66% der Aussage zu: „Die Scheu vor der Verantwortung ist die Krankheit unserer Zeit“ – ein Zitat, das von Otto von Bismarck stammt, und bezeugt, dass die Übernahme von Verantwortung in jeder Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. Eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer, nämlich 90%, waren ganz oder teilweise der Meinung, dass die persönliche Verantwortung des Einzelnen gestärkt werden müsse; 78% forderten dafür institutionelle Reformen.

 

 

Die Lorscher Thesen
Die sieben Thesen, die die Teilnehmer als wichtigste bewertet haben, sind kursiv gedruckt.


Thema 1: Eigenverantwortung als Beamtenpflicht
1. Die Politik soll Suchprozesse für neue Arbeitsteilungen organisieren.
2. Jenseits von Lobbyismus: Durchlässigkeit zwischen Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit schaffen.
3.
Problemlösungen für unternehmerische Selbstverpflicht-ungen schaffen. Die sind Prüfsteine für Verantwortung.

Thema 2: Politik und Wirtschaft: gemeinsam für die Regionalentwicklung?
4. Die vielen kleinen Institutionen und Bürger müssen Verantwortung für die Region übernehmen.
5. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen regionale Institutionen für Strategieentwicklung und Kooperation schaffen.
6. Die Komplexität der Regionalentwicklung in kleine Schritte herunterbrechen und kommunizieren.

Thema 3: Verantwortung und gesellschaftliche Führung
7. Andere Anreizstrukturen und Bewertung von Führung ermöglichen: Unternehmenserfolg UND Beitrag zu gesellschaftlicher Entwicklung sind maßgeblich.
8. Verstärkter Austausch zwischen Bildungseinrichtungen und Arbeitgebern über Kompetenzen.
9. Berufsbegleitende Förderung in Organisationen, die stärker auf Persönlichkeitsentwicklung zielt.

Thema 4: Verantwortung für Innovation
10. Die Politik soll maximale unternehmerische Freiräume für Wissenschaft und Wirtschaft schaffen.
11. Die Politik muss Trialog für ein gemeinsames Verständnis für Innovation fördern.
12. Brücken zwischen Wirtschaft und Wissenschaft herstellen, indem der Wissenstransfer nicht mehr öffentlich gefördert, sondern privatwirtschaftlich organisiert wird.

Thema 5: Ordnungsverantwortung: ein strategisches Konzept für Corporate Citizenship
13. Die Unabhängigkeit der Beamten stärken, um das fachliche Element in der Politik zu stärken.
14. Der Wandel der staatlichen Aufgaben kann sich nicht unreflektiert an wirtschaftlichen Instrumenten orientieren.
15. Imageverbesserung des öffentlichen Dienstes – ohne gute Beamte kein erfolgreicher Staat.

Thema 6: Verantwortung des Staates – Anspruch und Grenzen
16. Der Staat muss Regelungsvakuen zulassen und intelligent delegieren können.
17. Der Sozialstaat soll auf Eigen- und Mitverantwortung hinsteuern.

18. Jeder von uns übernimmt so viel Verantwortung, wie er kann.



Ansprechpartner IFOK:
Dr. Ute Gallmeier
E-Mail: ute.gallmeier(at)ifok.de
Telefon: +49.30.536077-35