IFOK-Studie: Anpassung an den Klimawandel – Regierungen unterschätzen Herausforderung
Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern findet bereits statt – hier und heute. Doch weltweit sind die Regierungen kaum vorbereitet auf die gewaltigen Veränderungen, die er mit sich bringt. Selbst wenn beim Welt-Klima-Gipfel in Kopen-hagen drastische CO2-Einsparziele verabschiedet werden würden, drohen Über-schwemmungen, Hungerkatastrophen und neue Krankheiten. Deshalb muss schnell ge-handelt werden: Wie Klimaanpassung funktionieren kann, zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens IFOK.
Bensheim, 4. Dezember 2009. Anpassung an den Klimawandel ist bis heute ein blinder Fleck in der öffentlichen Debatte. Lange Zeit galt das Thema als politisch inkorrekt – geht damit doch die Unterstellung einher, sich mit der Situation abzufinden und nicht willens zu sein, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen: Klimaschutz und Klimaanpassung scheinen einander diametral gegenüber zu stehen. Dabei ist längst klar, dass der Klimawandel gewaltige Veränderungen mit sich bringt, unabhängig davon, wie viel beim Klimaschutz noch erreicht werden kann. Doch die Regierungen der Erde sind viel zu wenig auf die Veränderungen durch den Klimawandel vorbereitet. Weltweit befinden sich die meisten Staaten im Stadium unverbindlicher Programme und in der Entwicklung von Pilotprojekten, verbindliche Anpassungsstrategien existieren kaum. Das zeigt die Studie „Schwimmende Häuser und Moskitonetze: Weltweite Strategien zur Anpassung an den Klimawandel“ des Beratungsunternehmens IFOK, das erstmals die Anpassungsstrategien an den Klimawandel von 16 verschiedenen Ländern weltweit untersucht hat – darunter Entwicklungs- und Schwellenländer wie Bangladesch, Indien und Brasilien, aber auch Industriestaaten wie Deutschland, Australien, Großbritannien und Finnland.
„Klar ist, es muss dringend etwas passieren. Schutzprogramme müssen verbindlich umgesetzt, Pilotprojekte systematisch ausgewertet und erfolgreiche Ansätze international kommuniziert werden. Vor allem aber: Politik und Wirtschaft müssen diesem vernachlässigten Thema nun höchste Aufmerksamkeit widmen“, sagt der Autor der Studie, Dr. Hans-Peter Meister. „In Zukunft müssen Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen gedacht werden. Es muss sich ein neues politisches Paradigma durchsetzen: Wir müssen vermeiden, was sich nicht bewältigen lässt und bewältigen, was sich nicht vermeiden lässt.“
Die IFOK-Studie arbeitet auch Faktoren heraus, die eine erfolgreiche Anpassungsstrategie kennzeichnen. Diese Erfolgsfaktoren bieten politischen Entscheidern eine Orientierung zur Ausrichtung ihrer Anpassungspolitik. Dazu gehört das sogenannte Mainstreaming: Mögliche Anpassungsmaßnahmen werden von vorneherein in alle relevanten Planungsprozesse mit einbezogen. In Politik und Verwaltung gilt es, ressortübergreifend zusammenzuarbeiten. So bindet die britische Regierung zahlreiche Ministerien und Institutionen ein, um das Thema koordiniert anzugehen. Aber nicht nur politische Akteure, auch andere Interessengruppen wie Wissenschaftler oder direkt Betroffene sollten systematisch mit berücksichtigt werden – speziell in Entwicklungsländern liefern beispielsweise Bauern oder Fischer oft unerlässliche Hinweise, da es hier nur selten verlässliche Daten gibt.
Um Parallelstrukturen zu vermeiden, bietet es sich an, bestehende Strategien in Bereichen wie Nachhaltigkeit oder Armutsbekämpfung mit der Anpassung an den Klimawandel zu verbinden. Und: Da die genauen Auswirkungen der Klimaveränderung schwer vorhersehbar sind, sollten die Anpassungs-Maßnahmen grundsätzlich sinnvoll sein – auch dann, wenn die Veränderungen vor Ort stärker oder schwächer ausfallen als erwartet. Eine solche Maßnahme könnte etwa der Bau eines Hochwasserdamms sein, der zwar nicht für einen sehr starken Anstieg des Meeresspiegels ausreicht, sich jedoch im Notfall kostengünstig ausbauen lässt. Wichtig ist auch die Unterstützung auf lokaler Ebene, da viele Maßnahmen hier umgesetzt werden müssen. Mit Blick auf die Langfristigkeit des Themas ist Kontinuität in Planung und Umsetzung ebenso unerlässlich wie eine regelmäßige Zielüberprüfung. Ein weiterer Erfolgsfaktor für eine gute Anpassungspolitik besteht in einer guten Informationsgrundlage über die konkreten Auswirkungen des Klimawandels. Wichtig ist außerdem, dass Wissenschaft und Praxis eng kooperieren.
Mit der anwendungsorientierten Studie, die auch einen Anhang mit zahlreichen Praxisbeispielen umfasst, will IFOK dazu beitragen, dass die Anpassung an den Klimawandel in Zukunft mit höherer Priorität behandelt wird. Die Studie liefert Entscheidern in Politik, Verwaltung und Wirtschaft eine Orientierung, wie sie dieses zentrale Zukunftsthema angehen können.
Die Studie ist im Internet abrufbar unter http://files.ifok.de/all/klima/
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