Neue Abschlüsse, neue Fachkräfte
In vielen Branchen fehlen schon heute branchenspezifisch ausgebildete Fachkräfte und Ingenieure. Hinzu kommen die neuen Studiengänge Bachelor und Master, die bei Arbeitgeber und Studierenden noch längst nicht etabliert sind. Welche Chancen bieten die neuen Abschlüsse für die Unternehmen und Absolventen? Wie binden Unternehmen Bachelor-Absolventen durch den frühen Einstieg in die Branche langfristig an sich? Wie nutzen Unternehmen die Masterstudiengänge für eine passgenaue Weiterqualifizierung für Mitarbeiter und Unternehmen? Fragen, für deren Beantwortung IFOK beauftragt wurde.
Mit dem Bologna-Prozess wurde auch für das Fach Chemie der Bachelor-Abschluss eingeführt. Neben dem Aspekt der europäischen Vergleichbarkeit sollte dieser akademische Grad jungen Absolventen einen frühen Berufseinstieg ermöglichen. IFOK erarbeitete eine Studie für das European Chemistry Thematic Network (ECTN). Das Ergebnis: Die Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses ist in vielen europäischen Ländern noch sehr gering. In Deutschland bleiben beispielsweise 100% der Chemie-Bachelor-Absolventen zunächst an der Universität und bewerben sich erst mit dem Master- und Doktorgrad bei potenziellen Arbeitgebern. IFOK befragte auch Personalverantwortliche der chemischen Industrie aus vier europäischen Ländern. Dabei ging es um deren Einstellungen zum Abschluss, den Umgang damit und die darin vermittelten Kompetenzen. Ergebnis: Der Abschluss ist weitgehend akzeptiert, aber Bewerbungen bleiben aus. Es fehlen noch die guten Erfahrungen und Erfolgsgeschichten mit Vorbildcharakter, um den Bachelor zum Selbstläufer zu machen. IFOK erarbeitete aus der Befragung gute Beispiele, wie Unternehmen den Abschluss in ihren Personal(entwicklungs)strategien nutzen können. Es gab Handlungsempfehlungen, wie der Prozess der tatsächlichen Anerkennung und Einstellung von Chemie-Bachelor-Absolventen vorangebracht und wie bei den Studierenden Vertrauen in diese Qualifikation aufgebaut werden kann. Empfohlen wurden unter anderem ein verstärkter Dialog zwischen Industrie und Hochschulen, mehr Kommunikation sowie eine verbesserte Kooperation zwischen Hochschulen und Industrie, um Angebot und Nachfrage von Studieninhalten abzugleichen.
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