Blick hinter die Kulissen: Themenfeld Infrastruktur

Die Themenfeldleiter Infrastruktur Ralf Eggert und Simon Oerding sind auf dem Bild zu sehen.
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Ob Straße, Schiene oder Stromnetz: Wir alle nutzen täglich Infrastruktur. Neue Infrastruktur ist wichtig, aber nicht immer konfliktfrei. Deshalb begleitet ifok seit Ende der 1990er Jahre Infrastruktur-Projekte – mit neutraler Moderation sowie Prozess- und Methodenberatung. Doch wie hat sich das Themenfeld entwickelt? Welche Aufgaben meistern unsere Kolleg:innen täglich? Und welche Tipps geben die beiden Themenfeldleiter Infrastruktur, Simon Oerding und Ralf Eggert, Bewerber:innen mit auf den Weg?

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „So arbeiten wir bei ifok„. Lesen Sie mehr zu unserer Arbeitsweise, unseren Themenfeldern und unserer Philosophie.

Hallo Simon, hallo Ralf! Schön, dass ihr euch Zeit nehmt für ein Interview. Ihr beide leitet gemeinsam das Themenfeld Infrastruktur bei ifok. Erzählt mal: Wie hat sich das Themenfeld entwickelt?

Ralf Eggert: Das Themenfeld hat sich zu einer Zeit entwickelt, als es zu Beteiligung bei Infrastrukturvorhaben in Deutschland nur ein weißes Blatt Papier gab. Aber in einem Projekt gab es schon damals starken Druck, nämlich bei der Erweiterung des Frankfurter Flughafens. Es gab das politische Versprechen, den Flughafen nach der Startbahn West nie wieder auszubauen. Aber der Flughafen kam viel schneller an seine Kapazitätsgrenze als gedacht. Andererseits war die Region von Fluglärm intensiv betroffen, der insbesondere nachts als unzumutbar empfunden wurde. Ministerpräsident Eichel entschloss sich zu einer Mediation. Der Dialog hatte letzten Endes klare Ergebnisse und diese wurden auch umgesetzt.

Später gab es immer öfter den Willen, große Infrastrukturprojekte nicht mehr im stillen Kämmerchen zu planen und dann von der Kritik überrannt zu werden. Stuttgart21 hat da noch einmal eine Welle ausgelöst, dass man das anders angehen möchte.

Wie sieht das Themenfeld heute aus? Woran arbeitet ihr?

Simon Oerding: Unsere Kund:innen rufen ifok an, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Projekt in der Öffentlichkeit für ein gewisses Interesse sorgen wird. Zum Beispiel bei dem Ausbau von Straßen und Schienennetzen – aber auch von Energie-Trassen, Deponien oder bei der Suche nach atomaren Endlagern. Das sind typische Projekte für uns, bei denen die Verantwortlichen wissen: da braucht es Dialog mit allen Beteiligten! Dabei spielen sehr viele Einflussgruppen und Faktoren eine Rolle – und bestenfalls werden sie in einen guten Prozess integriert.

Ralf Eggert: Aber auch die kleineren Projekte sind für uns spannend. Vor kurzem arbeiteten wir zum Beispiel für ein Unternehmensnetzwerk, das einen großen Parkplatz für seine Produktion nutzen wollte. Um den Parkplatz freizugeben, brauchten sie aber eine gute Anbindung an den Nahverkehr. Wir haben uns mit ihnen überlegt, wie sie ihre Mitarbeiter:innen informieren können und wie sie mit der Politik in Dialog treten können, um für eine bessere Anbindung an den Nahverkehr zu sorgen.

Das klingt wirklich spannend! An welches Projekt erinnert ihr euch denn besonders gerne zurück?

Ralf Eggert: Ganz aktuell ist für uns die Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Nach vielen Dialogsitzungen kam vonseiten der Bahn der Variantenentscheid. Auch Akteur:innen, die sich andere Varianten gewünscht haben, können nun aufgrund der transparenten Planung die Entscheidung besser nachvollziehen. Denn die Menschen merken: Solche Entscheidungen werden nicht im Hinterzimmer ausgehandelt. Sondern das ist fair und gemeinsam erarbeitet worden.

Simon Oerding: Ich habe vor Jahren eine Veranstaltung moderiert, bei der es darum ging, dass ein Zwischenlager für Atommüll erweitert werden musste. Ihr könnt euch sicher den Aufruhr vor dem Veranstaltungsgebäude vorstellen. Es hat bestimmt zwei Stunden gedauert, bis wir eine Diskussionsatmosphäre hinbekommen haben, in der man sich wirklich austauschen konnte. Dabei kam eine Reihe spannender Punkte zu Tage, die die Planung verbessern würden. Auf der einen Seite wurde den Betreibern deutlich, dass sie auch in Zukunft intensiv im Dialog mit dem Umfeld bleiben müssen, um das Informationsbedürfnis zu befriedigen. Auf der anderen Seite konnten die Teilnehmenden erleichtert aufatmen, weil durch die Vorträge und die Diskussion klar wurde, dass sich die Situation z.B. in Bezug auf gesundheitliche Risiken vor Ort nicht verschlechtern würde. Am Ende eines solchen Abends bleiben einige Menschen nach wie vor sehr skeptisch – das ist völlig normal und auch absolut in Ordnung. Aber von den 300 Teilnehmenden sind ungefähr 280 zu unserem anschließenden Infomarkt gegangen und haben sich sachlich informiert. Rückblickend war das für mich als Moderator ein anstrengender Abend, aber meine Arbeit hat wirklich etwas bewegt – und das zählt.

Welchen Unterschied macht ifok denn da? Was machen wir anders, als es andere machen würden?

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Simon Oerding: Wir nehmen Menschen wirklich ernst. Häufig ist das so eine Floskel, aber wir sind eine Gruppe von Menschen, die ein Interesse daran hat, die Leute zu verstehen. Wir bringen eine gewisse Empathie mit und sagen: „Es ist uns nicht egal, dass die Leute auf die Barrikaden gehen. Welche Ängste haben sie? Was für ein finanzielles Anliegen? Und wie können wir mit unseren Auftraggeber:innen dafür sorgen, dass es den Leuten mit dem Projekt besser geht?“ Ich glaube, dass diese Ernsthaftigkeit ganz viel Vertrauen schaffen kann.

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Ralf Eggert: Was uns ausmacht, ist im Kern das Ringen um die beste Lösung in einer fairen und transparenten Art. Viele gehen in einen Dialog und sagen: „Na klar bin ich für die Eisenbahn – aber hier ist das doch gar nicht nötig!“ Und wir erklären, warum das nötig ist – denn oft ist das gar nicht verhandelbar. Wir können nicht dafür sorgen, dass irgendwelche Gesetze geändert werden. Aber wir können erklären, wie sie zustande kommen. Wir geben einen klaren Rahmen vor, denn der ist auf demokratischen Wegen entschieden worden. Aber innerhalb dieses Rahmens ist nichts alternativlos und dann beginnt das Ringen um die beste Lösung.

Ihr habt die Eigenschaft Empathie ins Spiel gebracht. Was braucht es denn noch, um bei ifok im Themenfeld Infrastruktur mitwirken zu können? Was müssen Bewerber:innen mitbringen?

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Ralf Eggert: Wir sind ein Team von Leuten, die gesellschaftlich relevante, schwierige Themen bearbeiten und dabei Spaß haben. Der Job ist auf vielen Ebenen wahnsinnig fordernd: empathisch, kognitiv, strategisch und taktisch. Wenn du Lust hast, ein gesellschaftlich relevantes Thema zu bearbeiten, in einem coolen Team, in dem man sich gegenseitig unterstützt und anspornt, dann bist du bei uns gut aufgehoben.

Simon Oerding: Bewerber:innen sollten keine Scheu haben, mit echten Problemen und Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie müssen sich auch mal einlassen können auf Mundart, auf einen frechen Kommentar, oder mal mit einer gewissen Ironie an die Sache rangehen. Aber das Wichtigste ist eigentlich: Spaß haben! Den Rest kann man lernen. 😊

Ralf Eggert: Als Beispiel: Bei der Verkehrswende in der Stadt, da sind sich schnell alle einig: Wir müssen mehr Fahrrad fahren, ist doch logisch. Und dann kommt der Vorschlag, die Straße ein bisschen schmaler zu machen, um einen Radweg zu integrieren. Da sind dann erst einmal alle dagegen. In der Umsetzung geht es dann ans Eingemachte und in dem Eingemachten sind wir drin. Wo es in den Schlamm geht, wo man mal um die beste Lösung ringen muss, da ziehen sich viele zurück. Und wenn jemand sagt: „Ich mache lieber nur den Plan, andere sollen den umsetzen“, der ist dann vielleicht woanders besser aufgehoben. Aber wer Lust hat, wirklich in der Umsetzung um Lösungen zu ringen, der ist bei uns gut aufgehoben.

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„Um die beste Lösung ringen“ – wie sieht das denn konkret aus?

Simon Oerding: Ich erkläre mal den klassischen Ablauf, den jemand bei uns an vier von fünf Tagen in der Woche sehen wird. Wir machen ganz viele Analysen und Recherchen. Nehmen wir das Beispiel von Ralf mit dem Radweg und der Straße: Wer wohnt da? Sind da Geschäfte oder Institutionen? Ist da eine Kirche, die vielleicht dort einen Friedhof hat, wo die Baustelle wäre? Gibt es eine Bürgerinitiative für oder gegen den Radweg oder für breite Autospuren? Die müssen wir kennenlernen und verstehen. Und dann fragen wir uns: Wo wollen wir am Ende hin? Welche Botschaften müssen wir im Dialog senden? Was können wir gemeinsam diskutieren – und was nicht? Wo können wir die Öffentlichkeit nur informieren und wo können wir vielleicht auch mitentscheiden, um eine Umsetzung besser zu machen?

Danach geht es an die Umsetzung. In fast jedem Projekt führen wir vor Ort, oder jetzt digital, Aktivitäten durch. Das sind zum Beispiel Dialogforen oder große Informationsveranstaltungen. Und am Ende natürlich auch viel strategische Beratung. Wir sitzen ziemlich viel am Telefon oder in Videokonferenzen und überlegen gemeinsam mit Projektleitenden und Politik: Ist das jetzt die beste Lösung für unseren Prozess? Manchmal gibt es auch eine kritische Stimme in der Presse, woraufhin ein Anruf vom WDR kommt. Dann müssen wir die Leute strategisch beraten. Man hat also von der kleinsten Organisation bis zur strategischen Beratung die ganze Bandbreite.

Ralf Eggert: Was man nicht vergessen darf: Wir lernen auch nie aus. Wenn jemand neu zu ifok kommt und neue Ideen bringt, ist das total bereichernd. Das ist wirklich sehr willkommen und das setzen wir dann auch gerne um. Innovation ist uns sehr wichtig!

Vielen Dank euch beiden für das spannende Interview!

Nach dem Interview Lust auf einen Job im Themenfeld Infrastruktur?

Ihre Ansprechpartner

Portrait Simon Oerding

Simon Oerding

Mitglied der Geschäftsleitung | Energie und Infrastruktur

Telefon+49 211 38547-536
E-Mailsimon.oerding@ifok.de
Portrait Ralf Eggert

Ralf Eggert

Mitglied der Geschäftsleitung | Infrastruktur und Strategie

Telefon+49 6251 8263-134
E-Mailralf.eggert@ifok.de

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