Die Getreidekrise als Katalysator zu einem nachhaltigen Ernährungssystem

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Der Ukraine-Krieg führt zu steigenden Preisen von Lebensmitteln, Agrarrohstoffen und landwirtschaftlichen Produktionsmitteln. Das stellt die Landwirtschaft vor existenzbedrohende Herausforderungen, erhöht den Preisdruck im Handel und verschärft soziale Ungleichheit in der Ernährung. In zahlreichen Ländern des Globalen Südens nehmen Ernährungsunsicherheit, Unter- und Mangelernährung zu. Die Hungersnot in Afrika steigt zeitglich mit den Verwüstungen in der Ukraine. In Deutschland und der Europäischen Union wird den Menschen neu bewusst, dass die Ressourcen der Erde endlich sind und fragile internationale Abhängigkeiten schnell zu einem Mangel im heimischen Lebensmittelmarkt führen können.

Wie kann es trotzdem gelingen, die Welt zu ernähren? Mit großem Einsatz arbeiten landwirtschaftliche Betriebe und Forschungseinrichtungen an unterschiedlichen Lösungen, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und den drohenden Futtermangel abzuwenden. Aus der Not heraus schlagen einige vor, die Landwirtschaft in den friedlichen Ländern zu intensivieren, brachliegendes Land wieder landwirtschaftlich zu nutzen, anstatt es der Renaturierung zu überlassen. Ist Naturschutz also ein Luxus, den wir uns momentan nicht leisten können?

Der Weg zu einem nachhaltigen Ernährungssystem

Was wäre, wenn das neue Bewusstsein für die Grenzen natürlicher Ressourcen, das sich in den letzten Jahren zunehmend etabliert hat, angesichts der Krise nicht verpufft, sondern die Lösung darstellt? Wenn ein größerer Flächenanteil für den Anbau von Lebensmitteln statt für Futter genutzt wird?  Wenn Landwirte von ihrer Arbeit gut leben könnten, ohne dabei ihre Äcker oder Tiere über Gebühr zu beanspruchen? Wenn Naturschutz nicht als Luxus, sondern als notwendige Lebensgrundlage verstanden würde? Dann würde die Krise zu einer gesellschaftlich getragenen Transformation, hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystems beitragen. Doch dafür bräuchte es ein Umdenken und eine Verhaltensänderung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Alle sehen die Notwendigkeit für Veränderung, doch das gemeinsame Verständnis fehlt

Das Thema Ernährung ist so komplex, dass es keine einfache Lösung gibt. Alles hängt miteinander zusammen: die Landwirtschaft, die Verarbeitung, der Handel, der Export, der Import, die Verbraucher, die Abfallwirtschaft. Und jeder und jede hat eigene Interessen. Doch die Notwendigkeit für Veränderung steht allen vor Augen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs bewerten Bürger:innen genauso wie Stakeholder im Agrar- und Ernährungsbereich die Situation neu. Und doch ist es ein weiter Weg von der allgemeinen Problembeschreibung hin zu einem gemeinsamen Verständnis, das tatsächlich Veränderung bewirkt.

Die drängendsten Fragen

Die Veränderung hin zu einer nachhaltigen Ernährungsweise ist aber dringend notwendig. Die Wissenschaft ist sich einig, dass die aktuelle Ernährungsweise der reichen Länder zu viele Ressourcen verbraucht und unabsehbare negative Folgen für den Planeten begünstigt. Das Ziel ist klar, nur der Weg dorthin noch nicht.

Aus unserer Sicht sind die drängendsten Fragen für die Entwicklung eines nachhaltigen Ernährungssystems für Deutschland:

  • Wie kann die Versorgung der Bevölkerung kurzfristig und langfristig gesichert werden? Die im Moment angebauten pflanzlichen Lebensmittel reichen nicht aus, um die Bevölkerung mit hiesigen Produkten zu versorgen, dies gilt besonders für Gemüse und Obst. Wofür sollen Acker- und Weideflächen genutzt werden? Wie können neue Anbauformen die Nachhaltigkeit stärken und gleichzeitig einen hohen Ertrag erzielen?
  • Wie kann eine Transformation der Agrarwirtschaft gelingen, die den Landwirten, Bauern und Viehzüchtern nicht die Lebensgrundlage entzieht, sondern für die Zukunft stärkt? In welcher Reihenfolge müssen Anpassungen in der Viehhaltung, im Anbau und in der Verarbeitung vorgenommen werden, damit einerseits wirtschaftlich und andererseits nachhaltig gehandelt werden kann?
  • Was ist der richtige Mix aus schnell wirkenden und langfristigen Maßnahmen für den Klimaschutz, um zum Beispiel das schnell abbaubare Methangas kurzfristig zu reduzieren, aber langfristig den wichtigeren CO2-Ausstoß zu minimieren?
  • Wie kann die Politik die Bevölkerung bei den notwendigen Veränderungen mitnehmen? Wie sieht die wirksame Unterstützung der Schwächsten aus? Was ist zumutbar und wo sind Grenzen der Akzeptanz? Muss sich erst die Nachfrage in der Bevölkerung ändern oder zuerst das Angebot im Handel?

Hören Sie hier den Beitrag von ifok-Geschäftsführer Henning Banthien im Podcast „Fakten-Futter“ zur Rolle der Landwirtschaft beim Thema Nachhaltigkeit und Ernährung.

Dialog über alle Ebenen hinweg ist der Schlüssel des Wandels

Wir sind der Meinung, dass die drängendsten Fragen in einem Dialogprozess der relevanten Stakeholder zu lösen sind. Wir sind darauf spezialisiert, unterschiedliche Positionen an einen Tisch zu bringen, um sich auf allseits anerkannte Fakten zu einigen und dann gemeinsam den Weg zu einem nachhaltigen und resilienten Ernährungssystem zu gestalten. Wir begleiten schon heute diesen dialogischen Transformationsprozess in Politik und Gesellschaft, auf allen Ebenen:

  1. Auf der Bundesebene führt ifok im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und des Umweltbundesamts den bundesweiten Bürger:innenratschlag Nachhaltige Ernährung durch. Bürger:innen loten aus, welche politischen Maßnahmen gesellschaftlich mitgetragen werden, um zu einer stärker pflanzenbasierten Ernährung in Deutschland zu gelangen.
  2. Auf Landesebene hat ifok im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen das Schwerpunktthema Nachhaltige Ernährung im letzten Jahr begleitet.
  3. Auf kommunaler Ebene begleitet ifok Städte wie die Stadt Burghausen mit einem Bürgerrat Nachhaltigkeit dabei, den Diskurs als Stadtgesellschaft zu führen. Denn Kommunen sind der Motor der Transformation.

Auf institutioneller Ebene begleitet ifok ganz konkret vor Ort den Engelberger Schulverein e.V. auf seinem Weg zu einer nachhaltigen Kantine.

Lösungen lassen sich nur gemeinsam finden

Ein vielschichtiger gesellschaftlicher Dialog ist angestoßen. Nun müssen daraus konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Ernährung in Deutschland entstehen, die von der (Agrar-) Wirtschaft, der Politik und der Zivilgesellschaft in einem Dialog- und Partizipationsprozess gestaltet und umgesetzt werden.

Gestalten wir den Wandel jetzt gemeinsam!

Ihre Ansprechpersonen

Margit Aufterbeck

Dr. Margit Aufterbeck-Martin

Geschäftsfeldleiterin | Gesundheit & Gesellschaft

Telefon+49 89 262029303
E-Mailmargit.aufterbeck@ifok.de

Julia Wirth

Consultant | Nachhaltigkeit, Mobilität, Gesundheit

Telefon+49 6251 8263159
E-Mailjulia.wirth@ifok.de
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