Studie zu Braunkohlerevieren

Die gemeinsame Studie von IFOK, dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und weiteren Forschungs- und Beratungsorganisationen, im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, zeigt, dass eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien einen wichtigen Beitrag zum erfolgreichen Strukturwandel in deutschen Braunkohlerevieren leisten kann.

Kohlekraftwerke durch Solar-Windstrom-Großkraftwerke ersetzen

Die Experten mehrerer Forschungs- und Beratungsinstitute empfehlen die Potentiale erneuerbarer Energien in den Tagebauregionen stärker zu nutzen. Besondere Chancen bietet der verstärkte Ausbau von Solar- und Windstrom im Verbund. Diese Anlagen könnten schrittweise in den Regionen aufgebaut werden und freiwerdende Netzkapazitäten nutzen, während die Kohleverstromung heruntergefahren wird. Weiterhin empfiehlt das Gutachten, Anlagen für die sogenannte Power-to-X-Technologie, also das Umwandeln von Strom etwa in Gas oder Wärme, gezielt in den Tagebauregionen anzusiedeln. „Solche Anlagen werden im zukünftigen Energiesystem eine wichtige Rolle zur Speicherung oder anderweitigen Nutzung von temporären Stromüberschüssen aus Wind oder Photovoltaik spielen“, sagt Martina Richwien von IFOK, die die Erarbeitung der Studie geleitet hat.

Die Potenziale der Reviere für den Strukturwandel in den Blick nehmen

„In der Debatte um den Strukturwandel werden die Potenziale der Energiewende bisher noch zu wenig gesehen“, so Bernd Hirschl vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das in der Studie berechnet hat, in welchem Umfang Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den Bereichen Wind- und Solarenergie neu entstehen können. „Die vorhandenen Infrastrukturen und Kompetenzen bieten sich an, die Reviere zu Energiewende-Modellregionen zu entwickeln – entsprechend ihrer jeweiligen Voraussetzungen. Wenn die Akteure vor Ort dafür zusammen mit den betroffenen Bundesländern und dem Bund an einem Strang ziehen, können nennenswerte Wertschöpfung und Beschäftigung entstehen.“

Gemeinsam vor Ort tätig werden

„Die Erschließung der Potentiale kann nur in den Regionen und gemeinsam mit den regionalen Akteuren erfolgen, die mit den Veränderungen vor Ort leben und arbeiten“, betont Martina Richwien. „So muss beispielsweise die Frage nach der Verfügbarkeit geeigneter Flächen im Dialog vor Ort beantwortet werden. Hier wird es wichtig sein, weitere Vorstellungen der Flächennutzung einzubeziehen und mögliche Unterstützer zu finden, um die insbesondere in der Lausitz erheblichen Beschäftigungspotentiale auch nutzen zu können.“
Die Experten weisen darauf hin, dass für ein Gelingen der Reviertransformation spezifische Maßnahmen erforderlich sind, bei denen Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten müssen. Etwa seien Sonderausschreibungen erforderlich, um die Anlagen gezielt in die Regionen zu bekommen. Damit die Reviere ökonomisch davon profitieren, sind darüber hinaus nennenswerte Beteiligungen von Kommunen, Unternehmen und Bürgern vor Ort erforderlich.

Fallstudie Lausitz: mehrere tausend Arbeitsplätze möglich

In dem Gutachten wurde für das Lausitzer Revier das regionalökonomische Potenzial einer Transformation zur Energiewenderegion abgeschätzt. Bei einem ambitionierten Ausbau von Windenergie und Photovoltaik können beispielsweise allein in diesem Bereich rund eintausend Vollzeit-Arbeitsplätze entstehen. Darin sind noch keine Effekte aus der Anlagenproduktion enthalten, in der heute bereits mehr als eintausend Menschen beschäftigt sind. Aus weiteren Bereichen der Strom-, Wärme- und Verkehrswende können darüber hinaus zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze entstehen – von Biogas über Solarthermie bis Power-to-Gas und in Bereichen wie ÖPNV, Car-Sharing, E-Mobilität oder autonomes Fahren.

Hier steht die Studie zum Download bereit.

 

 

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