EU-Foresight stärken: Ein Design für die Zukunft

Ein junger Mann schaut in einer wüstenartigen Umgebung durch ein Fernglas.

Die Europäische Kommission möchte Foresight-Anwendungen in der strategischen Entscheidungsfindung stärken. Dazu plant sie mehr Foresight-Units in Europäischen Institutionen zu gründen und einen jährlichen Foresight-Report zu erstellen. Als starke Verfechter der Foresight-Methodik und Beteiligungsspezialisten freuen wir uns mit der Kommission.

Für uns tragen zwei Aspekte entscheidend zum Erfolg von Foresight Projekten bei:

  • Gesellschaftlicher Wandel lebt von Beteiligung. Die „Zukunft“ ist hiervon nicht ausgenommen. Foresight profitiert wesentlich von unterschiedlichen Blickwinkeln und kreativen Köpfen.
  • Die Fähigkeit, die Zukunft strategisch zu nutzen führt zu klügeren Entscheidungen in der Gegenwart – davon sind wir überzeugt. Nach dem Vorbild von Futures Literacy sollen auch zukünftige Entscheidungsträger möglichst früh befähigt werden, sich die Zukunft zu eigen zu machen.

Um in Zukunft noch besser mit der Methodik umzugehen, wollten wir speziell jungen Menschen die Chance geben, Foresight zu verstehen und anzuwenden. Im Rahmen eines Projekts an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen konnten Studierende strategische Überlegungen aus dem Blickwinkel der EU anstellen. Die Idee dazu kam uns bei der Entwicklung eines Strategic Intelligence Foresight Systems für zukünftige EU-Rahmenprogramme rund um Forschung und Innovation der Europäischen Kommission.

Wie aus Studierenden Futuristen werden

30 Masterstudierende entwickelten in dem Elective „Strategic Foresight“ Zukunftsszenarien für 5 verschiedene Regionen der Welt zu denen die EU strategische Beziehungen pflegt. Unterstützt wurden sie dabei durch Prof. Dr. Jan Oliver Schwarz.

  • Zunächst recherchierten die Studierenden globale Trends, die in Zukunft für die betrachteten Regionen eine hohe Relevanz haben.
  • Diese Trends analysierten sie anschließend im Kontext der jeweiligen Regionen. Besonders interessant: Trends mit einer hohen Unsicherheit bezüglich ihrer zukünftigen Entwicklung. Diese haben für gewöhnlich größtmöglichen Einfluss auf die Zukunft einer Region.
  • Daraus identifizierten die Studierenden zwei Trends mit hoher Relevanz für die regionale Zukunft und zugleich hoher Unsicherheit der zukünftigen Entwicklung. Durch die Kombination beider Trends in einer 4-Felder-Matrix entstanden vier Grob-Szenarien, die plausible Bilder der Zukunft aufzeigen (siehe Beispiel Lateinamerikas).
Das Bild ist vier Felder aufgeteilt. Auf der x-Achse wird der Grad der Digitalisierung (von gering auf der linken Seite zu hoch auf der rechten Seite) abgebildet, während die y-Achse wird den Grad der Demokratisierung darstellt (von gering in der unteren Hälfte zu hoch in oberen Teil). Das linke obere Feld (hohe Demokratisierung, geringe Digitalisierung) zeigt ein Szenario ohne große Veränderungen zum Status Quo. Der Teil in der oberen rechten Ecke bildet eine gerechte Welt ab (hohe Demokratisierung, hohe Digitalisierung). Das Szenario in der linken unteren Ecke (geringe Demokratisierung, geringe Digitalisierung) beschreibt politische Instabilität und Entwick-lungsrückschritte. Das Feld unten rechts stellt ein Szenario dar, in dem Wissen zu Unzufriedenheit führt (geringe Demokratisierung, hohe Digitalisierung).
  • Die detailliert ausgestalteten und beschriebenen Szenarien boten in einem vierten Schritt niederschwelligen Zugang zur jeweiligen Zukunft der Region und lieferten eine Diskussionsgrundlage. Um die Robustheit der Szenarien über die Zeit hinweg zu überprüfen, entwickelten die Studierenden sogenannte Signposts. Anhand von überprüfbaren Anzeichen soll es absehbar sein, ob wir uns über die Zeit einem bestimmten Szenario nähern.
  • In einem letzten Schritt sollten die Teilnehmenden anhand der Szenarien Empfehlungen für die EU ableiten. Dieser abschließende Teil stellte die größte Herausforderung für uns alle dar: Wie können die Szenarien für die Entwicklung strategischer Handlungsempfehlungen genutzt werden? Eine Herausforderung, der wir uns bei ifok regelmäßig stellen: Sobald Politik und bürokratische Strukturen in die Gleichung eintreten, müssen sich die kreativen und begeisterungsfähigen Lösungen aus dem Foresight-Prozess an der Realität messen.

An der Foresight-Herausforderung gewachsen

Innerhalb kürzester Zeit sollten die Studierenden die Hintergründe strategischer Entscheidungsfindung der EU verstehen, Einblicke in die Arbeit von ifok erhalten sowie Foresight-Skills erwerben – ziemlich ambitionierte Ziele. In dem virtuellen Abschlussworkshop am Ende des insgesamt sechsmonatigen Projekts waren wir jedoch begeistert von den Ergebnissen.

Es handelt sich um den Screenshot einer Videokonferenz. Im oberen Teil sind Teilnehmende des Foresight-Projekts zu sehen. Die Folie aus der Abschlusspräsentation zeigt einen Wegweiser mit diversen Schildern, die in verschiedene Richtungen zeigen.

Die Szenarien übertrafen unsere Erwartungen – sowohl in der Herleitung als auch dem Zugang (bspw. über eigens entwickelte Personas und User Stories). Dabei vermag es Foresight wie wenige andere Methoden, Kreativität und Begeisterung für Zukunftsdesigns über Beteiligung zu wecken. Die Europäische Kommission möchte dieses Potenzial zukünftig nutzen und unser Projekt demonstriert wieder einmal warum. Gleichzeitig haben sich bekannte Herausforderungen bestätigt und zeigen, wie wichtig die Anschlussfähigkeit von Foresight und weiteren Prozessen gesellschaftlichen Wandels sind. Die Beteiligung von zusätzlichen Personengruppierungen sowie die Öffnung von Foresight-Methodiken für den Nachwuchs bieten speziell in unserer deliberativen Demokratie klare Ansätze für eine konstruktive Auseinandersetzung. Wir wünschen allen Beteiligten eine erfolgreiche Zukunft und hoffen, dass sie sich dieser in Beruf und Alltag vorausschauend und optimistisch entgegenstellen.

Sie wollen mehr zur Foresight-Methodik erfahren? Sprechen Sie uns an!

Ihr Ansprechpartner

Portrait Hanno Focken

Hanno Focken

Senior Consultant | Strategic Foresight, Energie, Partizipation

Telefon+49 30 536077-18
E-Mailhanno.focken@ifok.de

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